Kein Wunder: Sehr viele Mütter eines still geborenen Kindes wechseln anschließend ihrer Arbeitsplatz, weil sie befürchten, die vielfältigen Reaktionen ihrer Arbeitskollegen nicht auszuhalten.

Wie kann man das unfassbar schmerzhafte überhaupt seinen Kollegen bekannt geben?

Etwa so: Während dein Kind lernt zu laufen lernt mein Kind mit den Engeln zu fliegen?

Je mehr man sich gemeinsam über die Schwangerschaft, die ersten sicht- und spürbaren Lebenszeichen des nun verstorbenen Kindes sich gemeinsam erfreut hat, desto leichter wird im Todesfall der nun gemeinsam gestaltbare Trauerumgang.

 

Wie ticken Ihre Kollegen?

von Gerti Senger (Krone 12.3.2017)

 

Betriebsstudien zeigen, dass für die häufigsten Probleme in der Kooperation zwischen Vorgesetzten und Kollegen nicht der Mangel an fachlichen Wissen verantwortlich ist, sondern die Unfähigkeit, mit den Eigenheiten der Kollegen richtig umzugehen.

Zwei Drittel unserer Wachzeit verbringen wir mit Kollegen. Tür an Tür, im selben Raum, womöglich Tisch an Tisch. Die physische Nähe und die notwendige Zusammenarbeit machen es nicht leicht, mit den ganz normalen Eigenheiten der Kollegen zurechtzukommen. Aber Faktum ist, dass jeder von uns Eigenheiten hat, es kommt nur darauf an, in welcher Ausprägung sie vorhanden sind.

Unser Weltbezug wird durch vier Grundformen psychischer Charakterstrukturen bestimmt. Stellen sie sich eine Diagonale und vertikale mit jeweils zwei entgegengesetzten Polen vor. Das Gegensatzpaar 'gefühlsbetont und vernunftbetont' und das Gegensatzpaar 'kontrollierend und locker'. Eine einseitige Ausprägung wäre eine Neurose - z.B. der zwanghafte Kollege, der nie mit seiner Arbeit fertig wird, weil er hundertfach prüft, was er gemacht hat. Ist eine Ausprägung nur etwas mehr betont, macht das den jeweiligen Typ aus. Stünden die 'Mimose' und der 'Fürsorgliche' auf der gefühlsbetonten Seite, der 'Coole' auf der vernunftbetonten Seite, das 'Lieblingskind' auf der lockeren Seite der Achsen. Maximal kooperativ, angenehm und leistungsfähig ist man, wenn die vier Persönlichkeitsstrukturen in einer ausgewogenen Mischung existieren. Goldenes Mittelmaß also. Je extremer eine Ausprägung, desto größer die Schwierigkeiten, die sich im Arbeitsleben ergeben.

Ihre Kollegen ticken also nach psychologischen Strukturen, das ist so sicher wie das Amen im Gebet. Wenn Sie Pech haben, haben Sie es mit einem Exemplar zu tun, das keine ausgewogene Mischung der Persönlichkeitsstruktur hat. Sich dann dauernd über bestimmte Macken Luft zu machen, ist ebenso ein No - Go, wie immer wieder zum Chef zu rennen und zu jammern: 'Ich halte das nicht mehr aus!' Nur schweigen ist belastend , macht manchmal sogar krank. Was also tun?

So lange es nicht um Mobbing geht, hilft dieses Tool: Wenn Ihr Kollege mal wieder nervt, atmen Sie dreimal tief aus und ein. So simpel dieser Trick ist, so wirksam ist er. Das Stammhirn, das ist der älteste Teil des Gehirns, von dem aus jedes Angriffsverhalten gesteuert wird, beruhigt sich. Sie drehen nicht durch, können den neueren Gehirnteil, mit dem man planen und sinnvoll handeln kann, aktivieren und zum Arbeitsalltag, dem ganz normalen Wahnsinn, übergehen. Damit ist schon viel erreicht.

Der Energie - Vampir

Dass ein anderer für Ihn Arbeiten übernimmt, findet der Energie - Vampir nicht der Rede wert. Was ist denn dabei, diese Kleinigkeit zu erledigen! Sobald es darum geht, seinerseits etwas auf sich zu nehmen, wird aus einer Mücke ein Elefant: 'Wie soll ich das schaffen?' So wie es der Kollege schafft -durch das Zurückstellen eigener Interessen! Vorsicht: Wenn Energie - Vampire mehrmals den kleinen Finger bekommen, wollen sie bald die ganze Hand!

Der Coole

In puncto Arbeit kann man sich auf ihn verlassen, aber er ist immer darauf aus, zwischen sich und den anderen Distanz zu wahren. Sobald einmal mehr als nur sachlicher Arbeitskontakt entsteht, sorgt der Coole prompt für emotionalen Abstand. Da man nicht viel über ihn weiß, weckt er oft Unsicherheit, manchmal sogar Angst. Er kann sich an die Spitze arbeiten, aber im Team kein warmes, kein herzliches Arbeitsklima schaffen.

Der Fürsorgliche

Die Zusammenarbeit mit diesem Typus ist angenehm. Fürsorgliche bringen mit Freude etwas aus der Kantine mit, haben bei Bedarf Hustenzuckerln parat, kochen Kaffee und loben Arbeit und Aussehen, auch wenn es gar nichts zu loben gibt. Dank seiner Empathie spürt der Fürsorgliche, was wem zu welcher Zeit gut tut. Spitzenpositionen erreichen Fürsorgliche zwar nicht in einer Unternehmenshierarchie, aber emotional unter den Kollegen.

Der Explosive

Egal, ob die Schreibtischlampe kollabiert oder der Computer zu langsam ist - eine Kleinigkeit genügt, und es gibt eine Explosion. Die Kollegen spüren zwar, dass die Schimpf - Attacken 'nur' die Reaktion auf eine innere Ohnmacht ist, aber die Ausbrüche sind eine ständige Missachtung gegenüber dem Anspruch auf ein harmonisches Arbeitsklima. Explosive Kollegen können sehr produktiv sein, unterschätzen aber, wie sehr sie ihre Umwelt belasten.

Der Konfliktscheue

Auf Anhieb wirkt der Typ des Konfliktscheuen wie das Musterexemplar des idealen Kollegen.

Nie beschwert er sich, nie verlangt er etwas, nie lässt er sich auf eine Auseinandersetzung ein.

Es dauert länger, bis die Kollegen merken, dass sich der Konfliktscheue ja doch äußert. Allerdings anders als es sich Kollegen wünschen. Dieser Typus reagiert auf eine versteckte, passiv - aggressive Art, nämlich durch Verweigern, Verhindern.

Der Kämpfer

Ein Mitarbeiter mit dieser Persönlichkeitsstruktur handelt nach der Devise: 'Wer nicht unterdrückt werden will, muss seinerseits unterdrücken. Wer nicht beherrscht werde will, muss seinerseits beherrschen. Und wer nicht abhängig werden will, muss seinerseits abhängig machen.'

Wer mit einem Kämpfer auf Augenhöhe arbeiten sollte, macht die bittere Erfahrung, dass der Arbeitsalltag ein Energieraubender Machtkampf ist.

Das Lieblingskind

Kollegen fragen sich: 'Was hat der Typ, was ich nicht habe?' genau weiß man es nicht. Fest steht, dass sie durch die Gabe, immer im richtigen Augenblick immer am richtigen Platz zu sein, bis in die Chefetage glänzen. Mit Schwankungen der Arbeitsqualität und der Neigung zum Bluffen muss man bei einem Lieblingskind rechnen. Auch damit, dass dieser Typ bei Vorgesetzten Sympathie findet und ungerechterweise bevorzugt wird.

Die Mimose

Mimosen finden immer einen Hinweis darauf, dass ein banales Arbeitsgeschehen gegen sie gerichtet ist. Ihre Neigung zum 'Vor - Urteil' begründen Sie mit Sensibilität. Es ist anstrengend, eine Mimose immer wieder aufs Neue davon zu überzeugen, dass man ihr wohlgesinnt ist. Erschwerend ist, dass sich Mimosen ausgerechnet von Kollegen, die ihnen wohlgesonnen sind, besonders leicht verletzt fühlen.