PHILIPP

Hallo, mein Name ist Philipp. Meine Mama hat mich im Bauch getragen und da war es so gemütlich. Doch leider ist irgend etwas schief gelaufen, aber was, weiß ich auch nicht genau. Auf jeden Fall kam ich zu früh auf die Welt. Meine Mama war bereits im Koma und ich habe leider still das Licht der Welt erblickt. Ich bin tot auf die Welt gekommen und habe nicht einmal 500 g auf die Waage gebracht. Darum bin ich ein sogenanntes STERNENKIND. Aber mein Papa, meine Oma und mein Opa haben dafür gesorgt, dass ich ein schönes Begräbnis bekommen habe. Mama wäre auch gerne dabei gewesen, aber sie lag leider noch immer im Koma. Mein Papa, Oma und Opa haben einen privaten Bestatter gefunden, der sehr einfühlsam war.

Stellt euch vor, der hat sogar von meinen winzigen Füßchen und Händchen einen Abdruck gemacht. Man sagt dazu auch „Spuren der Erinnerung“. Habe ich noch nie gehört, aber es ist toll, dass es so etwas gibt. Als meine Mama dann aus dem Koma erwachte und es ihr schon besser ging, hat Opa ihr mein Händchen als Schmuck anfertigen lassen, den sie jetzt auf einer Kette um ihren Hals trägt. So hat sie mich jetzt immer bei sich. Ich danke als STERNENKIND dem Bestatter und Thanatopraktiker, dem Papa, der Oma und dem Opa, dass ich nicht in so einen großen Sarg gekommen bin, wo alle STERNENKINDER reinkommen.

Und ich freu' mich auch darüber, das ich nicht verbrannt wurde.

Danach kommen alle STERNENKINDER in eine gemeinsame Urne und werden in einem Grab beigesetzt. Je nach Friedhofsordnung kann die Urne so einer Sammelkremierung auch in einem Urnenschacht oder eine Urnennische erfolgen. Letztere ist ein Bestandteil eines Kolumbarium, einer Wand voller Urnennischen.

Ich, Philipp, hatte das große Glück, dass ich mein eigenes Grab bekommen habe und Mama, Papa, Oma und Opa zu mir auch nach Ablauf der Mindestruhezeit kommen können und mir viele Spielsachen drauf legen. Da freue ich mich immer. Das können alle STERNENKINDER haben, nur wissen das viele Mamas und Papas nicht. © Claudia Haidegger