Krone 27.4.2019

Von Frau zu Frau von Dr. Eva Greil-Schähs

Trauma im Behandlungsraum

Für keine Frau ist es angenehm, den Gynäkologen aufzusuchen. Noch dazu, wenn es sich um ganz junge Mädchen handelt, die vielleicht zum ersten Mal von diesem Facharzt untersucht werden.

Eine schlimme diesbezügliche Erfahrung musste ein 15- jährige in einer spanischen Praxis machen. Wie ihre begleitende Mutter später im Internet postete, brach das Mädchen die Untersuchung durch einen Vertretungsarzt nach kurzer Zeit ab und eilte hochrot zurück ins Wartezimmer zurück.

Der Mediziner hatte die junge Frau darauf angesprochen, ob sie vor kurzem mit ihrem Freund Schluss gemacht hätte - schließlich sei ihre Schambehaarung nicht ordentlich getrimmt. Daraus schloss der Herr Doktor fachmännisch, dass der Teenager Single sei.

Als die Mutter den Arzt auf den Vorfall kurz darauf ansprach, kanzelte er sie als hysterisch ab und sagte aus, er hätte sich ja nur einen kleinen Spaß erlaubt.

Solche Scherze haben in einer Ordination nichts zu suchen!

Gerade, wenn es um sensible Körperteile und junge Patienten geht, kann eine derartige unangenehme Begegnung eine lebenslange Phobie auslösen. Und eigentlich sollten gerade Profis die Kinder von heute dazu bringen, für ihre (künftige) Gesundheit auch durch regelmäßige Untersuchungen vorzusorgen.

Hut ab vor der jungen Dame, die nicht beschämt geschwiegen, sondern sich gewehrt hat und dem Arzt sein unangebrachtes Verhalten nicht ohne Beschwerde durchgehen ließ.

Geeignet dafür ist das Schreiben eines Briefes auf dem Briefpapier und dem niederlegen von Rosen

vor der Ordination.