Die Redaktion Sternenkind.info berührt das Thema der vertauschten Babys sehr. Die Spurenanalyse bringt die Wahrheit. Immer wieder versuchen Kriminelle, ihre Schuld durch falsche Angaben zu verschleiern. Oder: Wer hat sich noch nicht geirrt? Manchesmal menschelt es. Ich wurde dazu auch mit unterschiedlichen Gedanken konfrontiert, z.B. : "Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn diese Wahrheit nie ans Licht gekommen wäre". Auch Sie können mir schreiben!

Krone 15.1.2016

Nach dem Drama in Graz sind viele Frauen verunsichert > Opfer arbeitet selbst in Klinik

Babys vertauscht: Mütter bangen ....

Das die geliebte Tochter oder die Mutter nicht das eigen Fleisch und Blut ist - diese Entdeckung muss einem den Boden unter den Füssen wegreißen! Einer Steirerin ist ist das , wie berichtet, in Graz passiert. Sie wurde als Baby im Spital vertauscht. 25 Jahre später flog alles auf. "Ich möchte zum jetzigen Zeitpunkt nichts dazu sagen", äußert sich das Opfer gegenüber der Krone und bittet um Verständnis.

"Ich liebe meine Tochter mehr als mein leben. Leide kann es uns betreffen, meine Tochter kam am 26. Oktober 1990 zur Welt. Ich weiß nicht, was ich tun soll" - Verzweifelte Reaktionen wie diese erreichen die Krone Redaktion.

Vor 25 Jahren dürften an der Grazer Uniklinik zwei Babys vertauscht worden sein. Wie berichtet, fiel das erst im Vorjahr auf, als Mutter und Tochter zum Bluttest gingen und dabei heraus kam, dass sie gar nicht verwandt sind!

Hunderte Frauen, die zwischen 15. Oktober und 20. November 1990 Mutter wurden, wurden in Folge zum DNA Test an der Grazer Uniklinik eingeladen; 17 hatten sich bis Donnerstag nachmittag dafür angemeldet.

Die Wogen gehen hoch, die Reaktionen reichen von "Wer ist daran Schuld?" bis zu "Die sollen ordentlich Schadenersatz bezahlen!".

"Wir haben keinen Hinweis, wie es passiert sein könnte" so Betriebsdirektor Gebhart Falzberger. Er und Klinikcheff Uwe Lang betonen, dass so ein Horrorszenario heutzutage auszuschließen sei. Damals habe es noch Kreissäle gegeben, heute sind es Zimmer. Auch die großen Wickeltische für mehrere Säuglinge sind nicht mehr da, dafür werden die Kleinen mit zwei unterschiedlichen Identifikationsbändern versehen."

Das Opfer der Vertauschung arbeitet selbst an der Uniklinik Graz! Die Readktion der Krome = Unsere Zeitung lässt sie wissen: "Ich möchte im Moment nichts dazu sagen. Sobald wir uns an die Öffentlichkeit wenden, wird jeder seine Fragen beantwortet bekommen. Wenn es so weit ist, werde ich mich melden. Die Krone respektiert dien Wunsch natürlich. Christa Blümel

Krone 15.1.2016

Was ist ein Leben wert? Ein Intewiev von Sandra Ramsauer mit Dr. Alfred Boran

Herr Dr. Boran, zwei Frauen leben seit 25 Jahren im Kreise ihrer Familie, die nicht die ihren sind. Wer ist verantwortlich?

Strafrechtlich niemand. Die relevanten Delikte, sprich Kindesentziehung und Unterschiebung des Kindes sind verjährt.

Was ist dann der Wert zweier vertauschter Leben?

In Österreich hat es einen derartigen Fall noch nie gegeben. In Frankreich waren es aber 1,88 Millionen Euro Entschädigung, die zwei Frauen nach der Vertauschungstragödie und langwierigen Prozessen zivilrechtlich zugesprochen bekommen haben (siehe unten, Beitrag von Ed Ricker)

Nehmen wir an, ein Kind ist im Luxus aufgewachsen und das andere in Armut. Heißt es dann 'Chance verpasst'? Oder können Anspüche gegen die richtigen Eltern geltend gemacht werden?

Theoretisch ja. Egal ob die zweite Familie im aktuellen Fall ausfindig gemacht werden kann oder nicht, die Frau kann gegen den steirischen Spitalserhalter vorgehen.

Wer ist erbberechtigt?

Nur das leibliche Kind. Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass die Eltern ihre nicht - leibliche Tochter adoptieren, um so ein Erbrecht zu begründen.

Krone 15.1.2016

Klage nach Klinikirrtum

Es war das Drama ihres Lebens: Nach ihrer Geburt 1994 wurde Manon S. in einer Klinik im französischen Cannes mit einem anderen Baby vertauscht. Der Irrtaum kam bei einem DNA Test 20 Jahre später heraus. Daraufhin muste die Klinik beiden betroffenen Familien 1,88 Millionen € Schadensersatz bezahlen.

Etwas länger, nämlich 56 Jahre dauerte es, bis zwei Frauen im US Staat Oregon erfuhren, dass sie bei Ihrer geburt 1953 vertauscht worden waren. Sie sahen von einer Klage gegen das Spital ab.

Weniger milde war ein heute 62 jähriger Japaner gestimmt, als er 2012 erfuhr, dass man ihn bei der Geburt mit einem 13 Minuten später geborenen Buben verwechselt hatte. Er wuchs in ärmsten Verhältnissen auf, anstatt bei seinen wohlhabenden Eltern. Er erhielt nach einer Klage 275.000 € Schadensersatz Ed Ricker

Krone 15.1.2016

Sehnsucht nach den wahren Wurzeln (von Sandra Ramsauer)

Es sind sechs Wörter, die plötzlich alles verändern, alles ins Wanken bringen. 'Das ist nicht deine leibliche Mutter' Was müssen Betroffene Empfinden, wenn sie diesen Satz hören? Selbst Krone Eltern Kids Coach Nina Petz tut sich schwer, es in Worte zu fassen. "So etwas ist ein großer Schock, der große emotionalöe Verwirrung auslöst." Für alle Beteiligten, die ganze Familie. "Mütter haben unglaibliche Gefühle für ihr Kind, andererseits empfinden sich auch plötzlich Trauer um Ihr leibliches" analysiert die Expertin. In einer völligen Ausnahmesituation, so die Therapeutin, befindet sich das Betroffene Kind selbst. "Da gibt es eine Mama und einen Papa in seinem Leben. Und im ersten Moment absolut keine Bindung zu den leiblichen Eltern - aber irgendwann entsteht die Sehnsucht nach den wahren Wurzeln."

Von der Option, die Vergangeheit ruhen zu lassen, hält Petz nichts, obwohl sie verstehen kann, wenn Betroffene im Fall Graz den DNA Test verweigern.

"Es ist legitim. Das ist ein psychologischer Abwehrmechanismus. Aber gemeinsam kann man alles aufarbeiten."

Therapie, Gespräche - eine völlig neue Lebenssituation. Wer soll das verkraften? Im Fall von Manon Serrano, dem ehemaligen "Verwechslungs Baby" aus Frankreich, das für weltweite Schlagzeilen sorgte lief das schief.

Die Familien kassierten zwar 1,88 Millionen Euro Schadensersatz - es wurde aber jeglicher Kontakt wieder abgebrochen.

Ein 'fremdes' Kind zu lieben, funktioniert das?

"Ja."

Den öffentlichen Rummel um die 25 jährigen sieht Petz durchaus Positiv - als "Trost, das endlich etwas geschieht." "Ich bleibe dabei: Es ist wichtig, die 'richtige' Familie kennen zu lernen. Denn am Ende bleibt eine quälende Frage: Was wäre wenn...?"

Krone 16.1.2016 zusammengetragen und geschrieben von Sandra Ramsauer und Christa Blümel

Nur 21 DNA - Test - Anmeldungen > Nach Baby - Vertauschung sagen Betroffene 'Zu Hause ist dort, wo ich lebe'

Wird Sie jemals erfahren, wer ihre leibliche Mutter ist? Niemand weiß es. 200 Frauen kommen im Fall 'Baby - vertauschung Graz' infrage, doch lediglich 21 haben sich bislang zum DNA test bereit erklärt. Christina T. ist jedenfalls nicht daraunter. Sie hat 'ihre Familie' - an ' was wäre wenn' denkt sich nicht.

Während im Landeskrankenhaus Graz alles versucht wird, um das Drama um die 25 Jahre zurückloegende Verwechslung zweier Mädchen aufzuklären, dürften sich die Betroffenen immer mehr zurück ziehen. Sechs Mütter und 15 Töchter haben sich gemeldet, um ihre wahre Abstammung abzuklären. Von den 179 weiter in Frage kommenden Frauen hat sich bislang keine Gemeldet. Eine davon spricht sogar öffentlich darüber, warum sie einen DNA - Test verweigert. Es ist Christina T.. Im interwiew mit Ö3 Reporter Martin Krachler erzählt sie über ihre Gefühle seit Bekannt werden des Dramas. 'Ich kann es nicht anders beschreiben, als dass es einfach ein seltsames, komisches Bauchgefühl war. Natürlich schießen einem da Fragen durch den Kopf: Kann ich überhaupt vertauscht worden sein, geht das überhaupt?'

Einem DNA Test erteilt die 25 jährige eine Abfuhr: 'Ich bin mir einfach zu sicher, dass ich zu der Familie gehöre, wo ich aufgewachsen bin.'

Redaktion Sternenkind.info: Frauen machen gar nicht so selten falsche Angaben, was den Vater zu ihrem Kind betrifft. Auch hierbei gilt was für vertauschte Babys gilt: die Wahrheit sollte so rasch als Möglich an Licht, denn z.B. in Krankheits- oder transplantationsbedingten oder Lebensbedrohlichen Situationen (etwa nach einem Unfall) kann es zu spät sein für das sammeln genetisch wichtiger Informationen.

Daher fordert Sternenkind.info einen verbindlichen Gentest gleich nach der Geburt, denn jedes Kind hat das Recht auf die Kenntnis zu seinem Wurzeln, zur Trauer durch seine genetisch bedingten Verwandtschaft.