Infos zum Lebensschutz (2017/01)

Von: Kirchmair Andreas, DI

Gesendet: Mon, 16 Jan, 2017 um 22:23

An: "Allianz für das Leben"

Liebe Freunde und Mitstreiter für die ungeborenen Kinder,

1) Das unbedachte Reden von den "werdenden" Eltern

Das Lebensrecht des Menschen besteht „von der Empfängnis bis zu seinem natürlichen Ende“. So hat Papst Benedikt XVI. am 7. Sept. 2007 in der Wiener Hofburg den österreichischen Politikern (und Bischöfen) ins Gewissen geredet. Auch die Elternschaft beginnt daher mit der Empfängnis des Kindes. Bis heute hat man den Eindruck, dass ein Großteil der Menschen das noch nicht wirklich begriffen hat. "In 3 Monaten werde ich (Groß) Vater oder (Groß) Mutter", so oder ähnlich hört man immer wieder Menschen reden, auch Christen und Priester. Die Rede von den "werdenden Vätern und Müttern" ist zwar tief im Bewußtsein der Menschen verankert, aber sie ist falsch. Also werden die Lebensschützer ihre Mitmenschen weiterhin geduldig darauf hinweisen müssen, dass sie zu diesem Zeitpunkt bereits (Groß) Eltern sind - und sich auch danach verhalten sollen.

 

2) Il Tempo: „Treibt ruhig ab, der Papst vergibt euch“ Titelte die konservative römische Tageszeitung provokant. Papst Franziskus hatte entschieden, Frauen nach einer Kindesabtreibung den Weg zu kirchlicher Vergebung zu erleichtern. Das freut zwar die kirchenfeindliche Presse, stößt aber im Vatikan teils auf Bedenken. Es bestehe die Gefahr, dass sich Frauen nun eher für eine Abtreibung entscheiden, weil sie irrtümlich glauben, "ihnen werde leicht vergeben", sagte der pensionierte Kurienerzbischof Girotti (79) der italienischen Tageszeitung "La Republica" ( katholisches.info 24.11.16).

Eine entsprechende Vollmacht (ohne Extra-Zustimmung des Ortsbischofs) hatte der Papst allen Priestern zuvor für das Heilige Jahr erteilt, das im Nov. zu Ende ging. Nun soll sie dauerhaft gelten.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz ändert sich durch die neue Praxis nichts; hier konnte schon zuvor jeder Priester die Vergebung für eine Kindesabtreibung erteilen. Es sind nicht nur die ungeschickten Formulierungen. Der Vatikan reagiert weiterhin nicht angemessen auf die massenweisen Kindestötungen. Um einen Vergleich zu bringen: Seit über 40 Jahren wird eine verheerende Feuersbrunst mit Spritzpistolen bekämpft und die eigene Ohnmacht beteuert, während die kircheneigenen Feuerwehrwagen in versperrten Garagen stehen gelassen werden.

 

Auch diese Papst-Maßnahme ist nur eine weitere "Spritzpistole": Wieder geht es nur um die Frauen, um das Kirchenrecht und um eine kosmetische Korrektur, statt um radikale, entschlossene Umkehr der kath. Kirche, um das Leben der Ungeborenen zu schützen. Die Kirchenmänner im Vatikan scheinen weiterhin in einem Paralleluniversum zu leben und vor der Realität in weiten Teilen Europas fest die Augen zu verschließen, wie z.B. in Österreich und Deutschland. Dort wird die Lehre der Kirche zur Kindesabtreibung und die eigene Mitverantwortung besonders beharrlich ignoriert.

 

3) Was würde geschehen, wenn die Kirche ihre eigene Lebensschutz-Lehre ernst nehmen würde ?

Es käme zum Streit, zur Scheidung der Geister. Vor 10 Jahren hat der Baumeister und 2-fache Bundespräsidentenkandidat Ing. Lugner im Einkaufszentrum seiner Lugner-City ein "sexualmedizinisches Zentrum" (VenusMed) zugelassen, das auch die Abtreibung von Kindern anbot. Der Salzburger WB Dr. Laun hat Lugner daraufhin auf die Lehre und die damit verbundenen Strafen der Kirche aufmerksam gemacht (s. ORF 2.2.07, kath.net 2.2.07). "Die formelle Mitwirkung an einer Abtreibung ist ein schweres Vergehen. Die Kirche ahndet dieses Vergehen gegen das menschliche Leben mit der Kirchenstrafe der Exkommunikation".

 

Würde er wegen der Abtreibungsklinik exkommuniziert werden, so Lugner damals völlig logisch, müssten auch der Wiener Bürgermeister Häupl (SPÖ) und Bundeskanzler Gusenbauer (SPÖ) mit dem Kirchenbann belegt werden, da sowohl in Krankenanstalten des Landes als auch des Bundes Abtreibungen durchgeführt werden. Die Liste der Gebannten würde auch eine Reihe ehemaliger und jetziger ÖVP-Landeshauptmänner wie Pröll, Haslauer, Pühringer und Schützenhöfer enthalten.

 

Mit dem mutigen Auftreten des WB war damals für kurze Zeit die Lunte an das Thema Kindesabtreibung gelegt, von dem mir ein Politikkenner einmal anvertraut hat, die Politiker hätten panische Angst es anzufassen. Es könnte ihnen dann nämlich wie eine Bombe in der Hand explodieren. Panische Angst hatten damals auch die anderen Bischöfe. Die Worte im Katechismus betreffen nämlich auch einen hohen %-Satz der Katholiken und die Amtskirche würde zusammenbrechen, wenn für Hunderttausende diese Kirchenstrafe zur Anwendung käme. Ein kirchlicher Super-Gau wäre perfekt.

 

Die Bischöfe haben den "Brand" rasch gelöscht und ihren Kollegen zurück gepfiffen, seit damals ist wieder Friedhofs-Ruhe im Land. Für sie ist es allemal einfacher, reuigen Frauen gnädig zu vergeben, als sich mit Männern auseinanderzusetzen, die ihre Partnerinnen zur Kindestötung drängen, mit Ärzten, die diese Kinder töten, mit Firmen, die die toten Kinder als menschlichen Rohstoff kaufen oder mit Politikern, die all dies ermöglichen und fördern.

 

4) Auch das gehört zum Lebensschutz: Der Kampf mit den Mühlen der Kirchenbürokratie

Ein 74-jähriger Mann aus dem Waldviertel (NÖ) hat den Kampf für die Ungeborenen zu seiner Lebensaufgabe gemacht. Unbeirrt tritt er immer wieder als ausdauernder Hungerstreiker und ruheloser Schriftenverfasser auf. Vor kurzem hat Dr. Preßlmayer in einem Wälzer auf 1.500 Seiten penibel seine Auseinandersetzungen mit den Mühlen der Kirchenbürokratie dokumentiert. Alle seine Schreiben an Politiker, (Erz) Bischöfe, Nuntien und kirchliche Stellen zum Thema Kindesabtreibung und die Antworten darauf. Ein hochinteressantes Zeitdokument, wenn es einmal darum gehen wird, die Feigheit der Kirchenoberen und eines Großteils des Klerus beim Kampf um den Lebensschutz Ungeborener zu analysieren. Es ist schier unglaublich zu lesen, wie der gute Mann z.B. seit Jahren vom Wiener Nuntius Zurbriggen im Kreis geschickt wird, der offensichtlich nur darauf wartet, bis er endlich zusammenbricht und Ruhe gibt. Tut er aber nicht - hoffentlich noch lange nicht.

5) Der Staat schränkt die Bürgerrechte immer mehr ein

Wenn staatliche Einrichtungen Beihilfe leisten bei der Tötung zukünftiger Bürger, wenn die sanktionslose Kindestötung geltendes Unrecht ist, dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Rechtsstaat offiziell zum Unrechtsstaat wird. Es liegt in der Natur der Sache, dass die Gewalt, die unschuldige, ungeborene Kinder tötet, sich auch immer mehr an denen entlädt, die diese verteidigen.

Beim "Marsch für das Leben" der "Jugend für das Leben" im Advent 2016 in Graz konnte man diese Entwicklung hautnah miterleben. Der Marsch durch die Grazer Innenstadt und die Herrengasse am 3. Adventsamstag war angekündigt, der der (üblichen) Gegendemonstranten nicht. Diese versperrten dennoch nach ca. 1/3 des Weges an einer Engstelle den Weg und das voraus fahrende Polizeiauto blieb stehen, ebenso die begleitenden Polizisten. Es entspann sich eine 1/2-stündige Nervenschlacht, ob der Marsch fortgesetzt, umgeleitet oder abgebrochen wird. Erst als ca. 10 weitere Polizisten den Begleitschutz verstärkten, konnte der Marsch fortgesetzt werden, der übrigens hervorragend organisiert und ein Erlebnis war.

Es ist jedenfalls eine Gemeinheit, wenn die Polizei zuläßt, dass eine nicht genehmigte, lautstarke Gegendemo praktisch parallel zu einer genehmigten ablaufen darf. Wenn diejenigen, die sich nicht an die Gesetze halten, nichts oder wenig zu befürchten haben. Wenn man fast dankbar sein muß, noch demonstrieren und eine Kundgebung abhalten zu dürfen. Immerhin war das in Graz dieses Jahr noch möglich, in Wien hat die Polizei den "Marsch für das Leben" einfach verboten (ein lesenswerter Kommentar dazu von Fr. Walterskirchen in "Die Presse" vom 9.1.17).

 

Nur am Rande sei vermerkt, daß vom Ordinariat und ihrem feigen Bischof Krautwaschl niemand die Lebensschützer begleitet hat. Stattdessen wurde die "Jugend für das Leben" kürzlich vorgeladen und ein Verbot von Lebensschutz-Vorträgen an Schulen angedroht, weil eine Mutter sich in einer Zeitung darüber aufgeregt hatte. So erledigen kath. Hirten das Geschäft der Grünen, die 2016 so ein Verbot im Parlament gefordert hatten (s. IzL 2016/05).

6) Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht (um eine gute Sache) kämpft, hat schon verloren Also nicht locker lassen!

Nach Meinung des Vorsitzenden der Organisation „Ärzte für das Leben“, Prof. Cullen (Münster), herrscht (auch) in Deutschland beim Thema Lebensschutz eine „Meinungsdiktatur“, gegen die man sich wehren müsse. Bei einer Kundgebung in Kassel rief er dazu auf, die sozialen Medien für die eigenen Anliegen zu nutzen: „Selbst mit 5% der Bevölkerung kann man ein Umdenken in der gesamten Gesellschaft herbeiführen.“ Ziel müsse es sein, nicht auf die von anderen gesetzten Themen zu reagieren, sondern sie selber zu setzen. Der Schutz des Lebens sei „die wichtigste moralische Frage unserer Zeit“, sagte Cullen (kath.net 23.11.16, seine ganze Rede zu 'Quo vadis, Lebensschutz?' auf kath.net 24.11.16).

7) „Widerspruchsregister“ gegen Organentnahmen in Ö: Hinterhältige Änderung bei Minderjährigen

Zum Abschluß noch eine Meldung von einer anderen Lebensschutzfront, die der Unfallopfer, deren Organe begehrt werden. 1982 wurde im Nationalrat mit den Stimmen aller Parteien das „Bundesgesetz über Organentnahme bei „Verstorbenen“, beschlossen, das „die operative Entnahme von Organen wie Lunge, Herz und Nieren“ erlaubt, sobald der „Spender“ verstorben ist und soweit dieser dem nicht vorher schriftlich widersprochen hat.

Nun sind Organe von Toten unbrauchbar. Nur die Organe eines (für hirntot erklärten) möglicherweise sterbenden Menschen, der aber noch atmet und fiebert, während der Explantation Narkotika sowie Beruhigungsmittel erhält, sind transplantierbar. Die Vorverlegung des Individualtodes durch den sogenannten „Hirntod“ mit über 30 Definitionen hat seit 1968 nicht nur mehrere Todeszeitpunkte, sondern auch eine ethische Grauzone geschaffen.

1995 wurde das sogenannte „Widerspruchsregister“ (WR) für diejenigen Bürger eingerichtet, die eine Organentnahme für sich und ihre minderjährigen Kinder ablehnen. Jeder (!) Person, die sich in Österreich aufhält (auch Ausländer) und nicht im Widerspruchsregister eingetragen ist, können lt. diesem Gesetz Organe entnommen werden. Unwissenheit schützt da nicht. Jeder Arzt muß das Widerspruchsregister vor einer Transplantation einsehen.

 

Ende 2015 gibt es im WR 36.625 Eintragungen (davon 5.600 Ausländer, vorwiegend Deutsche). Aber Achtung: Seit 2016 endet der Eintrag bei Widersprüchen für Minderjährige mit Vollendung des 14. Lebensjahres (früher 16. LJ) und es erfolgt eine automatische Löschung (was neu ist) ! Mit solch hinterhältigen Methoden wird still und heimlich versucht, die Zahl der "Spender"-Organe weiter zu steigern. Also unbedingt ins „Widerspruchsregister“ eintragen und die Wiederbestätigung für die eigenen Kinder vormerken - es ist in Österreich der einzige Schutz!

Übrigens wurde mit Beginn 2017 die Widerspruchsregelung auch in Frankreich eingeführt, in Deutschland wird sie derzeit im Bundestag heftig diskutiert ( The Huffington Post, 4.1.17). herzliche Grüße Andreas Kirchmair