Schwangerschaftskonflikt und Schwangerschaftsabbruch in Krisenzeiten

01.07.2020 Beilage heute im „Themenspecial Tabu“ in der Zeitung „Der Standard“.
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„Abtreibungspille“ bald durch Gynäkologen verschreibbar

Das österr. Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) genehmigt laut der Frauensprecherin der Grünen, Meri Disoski, und der SPÖ-Nationalratsabgeordneten Petra Bayr den Antrag des Zulassungsinhabers auf Verschreibbarkeit der „Abtreibungspille“ Mifegyne durch niedergelassene Gynäkologinnen und Gynäkologen.

Damit wird das Medikament in Österreich in Zukunft auch außerhalb von Krankenhäusern und Ambulanzen erhältlich.

„Bisher war es so, dass die Mifegyne ausschließlich in Krankenanstalten und in Ambulatorien, die zur Durchführung von Schwangerschaftsabbrüchen berechtigt sind, abgegeben werden durfte.

Das widerspricht der medizinischen Praxis in vielen Ländern und bedeutet zudem für Frauen, die im ländlichen Raum leben, eine mühsame lange Anfahrt in einer ohnehin belastenden Situation“, wurde Disoski in einer Aussendung zitiert.

„Die Verschreibungsmöglichkeit ist auf Gynäkologen und Gynäkologinnen beschränkt“, sagte sie.

„Die Erleichterung ist groß“ „Endlich ist es möglich, dass Frauen eine ungewollte Schwangerschaft innerhalb der ersten neun Wochen niederschwellig durch einen medikamentösen Abbruch beenden. Lange hat es gedauert, die Erleichterung ist groß“, begrüßte Bayr die erweiterte Zulassung. Bei Mifegyne handelt es sich um ein Medikament, das ehemals unter dem Namen RU-486 bekannt geworden und viele Jahre lang als mögliches Mittel für Schwangerschaftsabbrüche vor allem ideologischen und weltanschaulichen Diskussionen ausgesetzt war.

Die Erstanwendung im Jahr 1999 am Krankenhaus Korneuburg in Niederösterreich hatte dort sogar zu Demonstrationen von Abtreibungsgegnerinnen und -gegnern geführt.

Die Wirksubstanz selbst – Mifepriston – war bereits 1980 vom damaligen französischen Pharmakonzern Roussel-Uclaf entdeckt worden.

„Schwangerschaftsabbruch niederschwelliger“

Der Wiener Gynäkologe und Leiter von Ambulanzen für Schwangerschaftsabbrüche, Christian Fiala, begrüßte die erweiterte Zulassung bzw. Verschreibbarkeit des Medikaments ebenfalls, „weil sie grundsätzlich den Zugang zum Schwangerschaftsabbruch niederschwelliger macht und auch Frauen in den Bundesländern eine wohnortnahe Versorgung ermöglicht“, wie es in einer Aussendung hieß. Allerdings warnte Fiala davor, dass die Abgabe an ungewollt Schwangere damit auch ohne Qualitätssicherung sowie ohne Beratung und Nachkontrolle erfolgen könnte. „Das könnte ein Risiko für Frauen bedeuten“, so der Arzt. Fiala war 1999 einer der Ärzte am Krankenhaus Korneuburg, die RU 486 anwendeten.

Quelle: red, ORF.at/Agenturen


OTS0128, 7. Juli 2020, 13:28

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Eine Abtreibung zu Hause ist keine Errungenschaft!

Wien (OTS) - Die Abtreibungspille (Mifegyne) wird seit 1999 in Österreich meist nach Untersuchung und unter ärztlicher Aufsicht in Krankenhäusern ausgegeben. Mit einem neuen Erlass können Frauen nun für sich allein zu Hause im Badezimmer abtreiben.

Mifegyne ist nicht mit der „Pille danach“ zu verwechseln. Sie kann bis zum Ende der 9. Schwangerschaftswoche eingenommen werden: Mifepriston attackiert die Plazenta und trennt das Embryo von den lebenserhaltenden Maßnahmen zur Mutter. 24-48 Stunden nach der Einnahme werden durch die Gabe von Prostaglandin Wehen ausgelöst, die zu Blutungen und zum Abstoßen des toten Embryos führen.

Durch einen Antrag von AGES und Gesundheitsministerium werden diese Medikamente nun auch von Gynäkologen verschrieben. Die Frau nimmt sie also für sich allein zu Hause und darf die ganze Prozedur allein durchstehen. Gegen Ende der 9. Schwangerschaftswoche kann das Baby bereits 2,5 cm groß sein. Nicht selten sieht sie während der heftigen Krämpfe und Blutungen den Fruchtsack mit Inhalt – meist in der Toilette – liegen. Was für eine enorme psychische Belastung das für Frauen ist, kann man nur erahnen. Oder man hört davon in den traumatischen Berichterstattungen der Betroffenen in der Beratung.

Die Bürgerinitiative #fairändern setzt sich für mehr Information, für Bedenkzeit, für bessere Unterstützung ein. Keine Frau soll sich allein gelassen fühlen oder noch stärker unter den Druck geraten, abtreiben zu müssen. Petra Plonner, Erstunterzeichnerin von #fairändern, ist sehr betroffen: „Durch diesen Bescheid sind wir in Österreich einen katastrophalen weiteren Schritt rückwärts gegangen. Wenn es eine Steigerung von „allein“ gibt, dann ist es diese Zulassung. Was kommunizieren wir damit den Frauen in unserem Land? Dass wir nicht für sie da sind. Dass sie selbst mit einer ungeplanten Schwangerschaft zurechtkommen müssen. Und auch mit den Folgen einer Abtreibung.“

Nun sind Frauen noch mehr unter Druck gesetzt, eine schnelle Entscheidung zum „Wegmachen“ zu treffen (die nicht selten bitter bereut wird), sie werden kaum über die psychische Belastung und die Nebenwirkung aufgeklärt und sind noch „alleiner“ gelassen als je zuvor. Ist es wirklich wahr, dass wir Frauen im Schwangerschaftskonflikt keine besseren Antworten zu bieten haben?

#fairändern stellt sich entschieden zur Frau: Die Initiative steht für Information, Empowerment, Mut und wohldurchdachte Entscheidungen. Niemand darf in solchen Notsituationen allein gelassen und abgeschoben werden. Eine Abtreibung ist keine große Errungenschaft, sie ist ein Trauma.

#fairändern bedauert, dass diese gravierende Maßnahme keinen demokratischen Entscheidungsprozess durchlief. Jetzt ist die Bundesregierung noch dringender gefordert, die Beratungsmöglichkeiten für Frauen in Konfliktschwangerschaften auszubauen und zu verbessern.

 

https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20200707_OTS0128/eine-abtreibung-zu-hause-ist-keine-errungenschaft


Die röm. kath. Kirche kennt für Schwangere einen Segen vor und nach der Geburt.

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